Märchen bauen Brücken

Die professionelle Märchenerzählerin "Goldmarie" alias Maria Meß und Stephanie Kron von der Bücherei Gevelsberg über ihr gemeinsames Projekt.

Was kommt wohl dabei heraus, wenn die Leiterin einer Stadtbücherei und eine professionelle Märchenerzählerin die Köpfe zusammenstecken? Ein Projekt, das Kinder und Erwachsene jeder Nationalität glücklich machen kann. Es heißt „Märchen bauen Brücken“, wird durchgeführt vom Lesefreunde-Förderverein der Stadtbücherei Gevelsberg und hat bei der EN-Krone einen der ersten Plätze belegt. Wir haben mit der Märchenerzählerin Maria Meß und Stephanie Kron von der Stadtbücherei gesprochen.

Frau Meß, wie wird man Märchenerzählerin?

Märchen haben mich immer interessiert. Daher habe ich 2012 nach langer Tätigkeit als Lehrerin eine Ausbildung zur Märchenerzählerin am Theater- und Figurenkolleg in Bochum gemacht. So wurde mein Hobby zum Beruf. Und der macht mich glücklich, weil ich so viel von meinen Zuhören zurückbekomme.

Spielen Märchen überhaupt noch eine Rolle in Zeiten von Facebook, Instagram, WhatsApp und Co.?

Maria Meß: Ja, auf jeden Fall. Ich erzähle frei und zaubere mit ein paar Requisiten eine märchenhafte Atmosphäre. Dabei merke ich immer wieder, wie viel Freude es meinen Zuhörern macht, in eine Fantasiewelt einzutauchen. Unser Alltag ist so real- und ratiobezogen, dass alle es genießen eigene Bilder im Kopf zu entwickeln. Im Gegensatz zum Film sehen, Musikclips downloaden oder Videos streamen.

Stephanie Kron: Märchen üben wirklich eine starke Faszination aus, gerade wenn Maria sie erzählt. Ihre tollen Kostüme, die Stimme, Mimik und Gestik fesseln die Zuhörer. Sie geht total auf das Publikum ein und schafft es, dass alle, egal, ob Bewohner eines Seniorenheimes oder Kindergartenkinder Teil der Geschichte werden. Und da sind Handy und Co. schnell vergessen.

Viele sagen, Märchen sind nicht mehr zeitgemäß…

Maria Meß: Wir beweisen mit unserem Projekt genau das Gegenteil. Märchen sind ein kultureller Schatz, der uns auch heute hilft, unsere Gefühle besser zu verstehen. Ganz gleich, ob aus unserer Region oder aus 1001 Nacht. Egal, ob verträumt-fantasievoll, schaurig-schön oder voller Spannung. Märchen sprechen unser Herz an, und ich finde ganz wichtig, dass sie Werte vermitteln und Denkanstöße geben. Von Verstaubtheit also keine Spur.

Stephanie Kron von der Stadtbücherei Gevelsberg in guter Gesellschaft mit einer netten Dame.

Und wie bauen Sie mit Märchen Brücken?

Stephanie Kron: Ganz einfach. Märchen – egal aus welcher Kultur – besitzen eine einheitliche Bildersprache, auf die sich alle verstehen. Das Entscheidende an den Erzählungen von Schneewittchen & Co. sind doch menschliche Gefühle. Und obwohl viele Geschichten schon vor Jahrhunderten aufgeschrieben wurden, sind Bedürfnisse nach Sicherheit und Geborgenheit immer aktuell. Das schafft Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen, hilft Kindern ihren Weg zu finden und schafft zum Beispiel bei Menschen mit Demenzerkrankungen Brücken ins Gedächtnis.

Erzählen und nicht vorlesen – wie passt das zur Bücherei in Gevelsberg?

Stephanie Kron: Unsere Stadtbücherei Gevelsberg ist ein Ort der Begegnung. Hier gibt es nicht nur Bücher, sondern hier ist ein Ort zum Träumen, zum Treffen und zum Lernen. Und da passt das Märchenprojekt doch ganz hervorragend. Wir planen eine ganze Veranstaltungsreihe. Dazu gehört übrigens auch einEinführungsworkshop in die Kunst mit dem japanischen Erzähltheater Kamishibai. Eine Technik bei der Eltern, Erzieher und Lehrer lernen können, Märchen kindgerecht zu präsentieren.


Mehr Infos

Maria Meß, die Goldmarie, tritt auch bei Familienfesten und Firmenevents auf. Mehr über die „Märchenerzählerin mit Hut“ erfahren Sie unter: www.diegoldmarie.com

Tel.: 02336-441201

Mobil: 0157-59607162

E-Mail: info@diegoldmarie.com

Mehr über die Stadtbücherei Gevelsberg und eine Liste mit weiteren Büchereien im Umkreis gibt es in unserem Beitrag Leselust: Bibliotheken in der Region.